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Berufsorientierung bei der Bauindustrie

Hier ein paar Eindrücke:

Montag, 12.09.11

8.00 Uhr alle sind pünktlich. Gott sei Dank. Rundgang durchs Gelände, Hausordnung, Einteilung der Gruppen und Verteilung der Sicherheitsschuhe. Okay, schön sind die nicht, aber "schöne Schuhe mit zertrümmerten Zehen sind auch nicht schöner", wie Herr Keweloh, der Ausbilder für den Bereich "Farben", anmerkt. Jetzt wird die Gruppe aufgeteilt: ein Teil zum Mauern mit Herrn Jansen, der andere zum Bereich Farben. Es soll tapeziert werden. Eine Stunde später sind alle in Staub gehüllt. Sand sieben, mit Wasser und Kalk zu Mörtel vermengen ist anstrengend und verlangt Zusammenarbeit. Die ersten wollen gehen. Dann die nächste Aufgabe: einen Trockenverband herstellen. Jetzt ist Technik und Genauigkeit gefragt. Ausmessen, markieren, Schnur ziehen, Steine legen. Vier Lagen. Alles sieht so gut aus, doch Herr Jansen entdeckt einen halben Zentimeter Überstand. "Soll ich alles noch einmal neu machen?" Antwort: "Das wäre schön, wir wollen doch Qualität abgeben."


Zur gleichen Zeit bei den Malern. Die Tapete wurde gemessen und geschnitten. Leider schief. An der Wand rächt sich das. Von der senkrechten und der waagerechten Orientierungslinie kann nur die senkrechte genutzt werden. Aber das Einkleistern und Ankleben macht Spaß. So schnell ein gutes Ergebnis! Mit der Bürste werden Wellen seitlich ausgestrichen. Dann auch da eine Reklamation: Drüber kleben gilt nicht, die Tapeten müssen an den Rändern genau aneinanderstoßen, "auf Stoß" eben.


Mittagessen: Kartoffelpüree mit Würstchen und Salat, Pommes wären besser, aber für lau, dann jau.

Nebenbei eine kleine praktische Prüfung, die nicht verschrecken soll und deshalb Beobachtung oder praktische Potentialanalyse genannt wird. In kleinen Teams sollen drei Aufgaben gelöst werden.
1. Mit Zirkel und Lineal einen Farbenkreis nach Vorgabe entwerfen und mit selbst angemischten Farben richtig ausmalen. Stress. "Wir haben verkackt, die drei blau-lila Töne sehen alle gleich aus." "Halt du lieber die Klappe, du hast ja nichts gemacht!" Teamarbeit ist auch nicht einfach.

2. Aus Steinen zwei unterschiedliche, stabile Trockenverbände mit ca. ein Zentimeter breiten Fugen legen. Was ist stabil? Was heißt lotgerecht? Wo ist die Fuge? Und am Ende? Alles wieder zurückbauen!

3. Eine Logikaufgabe. Erste Hürde: einen langen Text lesen. Puh. "Die alten Griechen konnten gut rechnen und auch Physik. Ein gewisser Archimedes hat die vorliegende Aufgabe in zehn Minuten geschafft.", steht da. "Dann wollen wir Archimedes mal toppen", heißt es forsch. Doch beim Anblick vieler Hölzer, die als Dach auf eine Spitze balanciert werden soll, schleicht sich leise Verzweiflung ein. "Hat das überhaupt jemand heute geschafft?" "Ja, alle." "Dann schaffen wir das auch!", und fünf Minuten später ist die Aufgabe gelöst. Gratulation! "Jetzt muss man diesem Typ (gemeint ist Archimedes) mal sagen, dass wir schneller waren." "Schade, der ist leider schon lange tot."

15.45 Uhr ab in den Pausenraum. Feierabend? Fast. Jetzt kommt erst noch das Berichtsheft. Wie in der Ausbildung, so auch hier. Und ein Donnerwetter, weil zu viel gequatscht wird. Nur das Wesentliche. Was haben wir heute gemacht? Schnell sind fünf Arbeitsvorgänge formuliert. Unterschrift drunter und das Formular morgen wieder mitbringen. 16.10 Uhr erstes Murren "16h sollte doch Schluss sein.", und die letzte Ansage: "Wer den Saal verlässt, Stühle hochstellen."


Dienstag,13.09.11

8.00 Uhr wieder alle pünktlich, bei den Ausbildern kommt Freude auf. Probleme gibt es nicht, also geht es sofort an die Arbeit. Der Trockenverband wird sehr ordentlich und genau gelegt. (Nur immer dieses Abräumen!) Nun das Ganze mit Mörtel.


Kleine Einweisung von Herrn Jansen: Ein Stein ist 7,1cm dick, dazu kommt die Fuge von 1,23 cm (rechnerisch), d.h. zusammen 8,33cm, sodass drei Steine übereinander 25cm ergeben, sechs Steine 50cm und wie viel Lagen Steine braucht ihr, wenn ihr eine Mauer von 125cm mauern sollt? Klar: 15. Die Augen werden größer, aber Herr Jansen ist noch nicht fertig. Ich mach euch jetzt mal den Anfang vor. Eckstein, Mörtelbett, Fliesenhexe, lotgerecht, Stoßfuge, Tischtennis, Wasserwaage, Bindelage oder Lagenbinde oder wie oder was. Egal, es geht los!

"Mir tun die Knie weh, au mein Rücken, das ist schwer.", "Nimm die ganze Lage noch einmal weg. Was unten schief ist, wird nicht mehr besser". Eindeutig, jetzt wird es anstrengend. Der Mörtel wird trocken, die Schnur ist nicht da, wo sie sein sollte und immer wieder der ganze Dreck.


Aber auch: "Erstaunlich gute Ergebnisse, da könnten sich die Lehrlinge eine Scheibe abschneiden!" Viel Ausdauer und immer wieder neue Versuche. Kleine Pausen lassen Kraft schöpfen, denn vom Steine heben und Mörtel mischen werden die Arme ganz schön lang. Am Ende des Tages: Halle fegen und Werkzeuge säubern.


Zur gleichen Zeit bei den Malern: Streifen malen aus freier Hand. Zuerst wird mit der Wasserwaage das lotgerechte Arbeiten geübt, indem senkrechte Linien mit Bleistift auf Tapete gezeichnet werden. Dann wird ohne Hilfsmittel, nur mit einem Spezialpinsel (Linienzieher??) ein Streifen neben dem anderen auf die Tapete gesetzt.


Sieht gar nicht schlecht aus. Dünne und dicke Streifen, echt Handarbeit. Anschließend wird ein Farbkreis von jedem mit dem großen wackeligen Zirkel auf die Wand gebracht. Gut, dass das gestern in der Potentialanalyse schon geübt wurde. Im Anschluss wieder Farben aus den drei Grundfarben (gelb, rot, blau) selbst mischen, (die Ergebnisse sind wesentlich besser als am Vortag), und genau auftragen. Nachfrage: Sollen wir das ganze Feld ausmalen oder nur markieren? Jetzt wird der Meister grantig. "Wie habe ich euch denn erklärt, sollst du das machen?" "Zuerst mit dem feinen Pinsel den Rand, und dann mit dem großen Pinsel…ach, ja. Verstanden, die Frage war überflüssig."

Sonst war Herr Keweloh zufrieden, denn die Atmosphäre war wesentlich ruhiger und konzentrierter als am Vortag. Bis auf die fünf gelben Karten. Wofür? Fünf Schüler tobten im Dunkeln durch den Materialraum, obwohl ihnen der Zutritt am Vortag ausdrücklich verboten wurde. Das geht gar nicht, also gelb.

Und am Ende führte undiszipliniertes lustloses Aufräumen dazu, dass das Berichtsheft nicht mehr geschrieben werden konnte. Ja, im Laufe eines Tages gibt es viel Lob, aber auch immer wieder Kritik.


Am Rande noch ein wenig Lebenskunde. Ein Mädel übt von nun an, sich nicht in jedem Satz zu entschuldigen. Auch selbstbewusstes Auftreten wird trainiert.

Soll ich es noch erwähnen? Die Lehrerin war so in ihren Rechner vertieft, dass sie unpünktlich zur Mittagspause kam, und alle auf ihr Essen warten mussten. Sie lebt noch.


Mittwoch, 14.09.11

Der dritte Tag ist immer der Schwierigste, die Arbeit ist nicht mehr neu und aufregend, aber auch noch nicht vertraut und einfach. Dazu kommen die Schmerzen: Rücken, Handgelenke, Oberschenkel. Einfach alles tut weh. Viele Treppen rauf und runter laufen und dazu gefühlt 20-mal die Schuhe wechseln. In den Hallen: Sicherheitsschuhe an. In den Pausen: Sicherheitsschuhe aus. "Am liebsten mach ich gar keine Pause mehr, damit ich die Schuhe nicht mehr wechseln muss."

Auch die Mühen des 8-Stunden-Tages werden erlebt. "Oh Mann, ich will zurück in die Schule! Morgens Aufstehen, zur Arbeit fahren und abends zurück. Danach bin ich nur noch müde. Zu müde zum Fernsehen oder sonst was. Das ist doch kein Leben." Ist wahr, aber für Millionen Menschen auch Realität.

Beim Mauern auch keine Abwechslung in der Aufgabe. Einfach die Mauer höher bauen, und das lotgerechte Arbeiten üben und Fehler, die jedem passieren, wieder gut zu machen. Da ist der 45-Minuten-Takt in der Schule doch bequemer. Bevor man sich so richtig in eine Aufgabe vertiefen kann, ist die Stunde wieder um. Okay, bei den Hausaufgaben kann man sich oft gar nicht mehr erinnern, was man in der Schulstunde noch verstanden hat. Die Chance mal richtig lange Zeit zu haben, bis man etwas wirklich kann, können viele nicht ergreifen. Sich selbst und seine Tätigkeit ernst zu nehmen, und nicht im Wettbewerb zu stehen, ganz schnell fertig zu werden, das ist die Kunst. Wie schon Karl Valentin sagte: Kunst ist schön, macht aber Arbeit.


Die weiteren Tätigkeiten: 3,50m lange Kanthölzer transportieren, sicher Schneiden mit der Bügelsäge, ohne die Finger oder den Daumen in Gefahr zu bringen. Wozu Kanthölzer? Die fertigen Mauern müssen wieder zurückgebaut werden. So heißt das, wenn die Mauer abgebrochen wird, ohne das die Steine kaputt gehen. Und Holz ist weicher als der Stahl des Hammers.

Die Maler steigerten sich erneut. Das Linienziehen aus freier Hand klappt immer besser. Die meisten können schon gut die ganze Aufmerksamkeit in ihre Arbeit geben und lassen sich nicht mehr ablenken. Dann noch eine Pyramide mit Farbverlauf in Abtönfarben von dunkel nach hell und den Hintergrund von hell nach dunkel. Es sieht sehr schön aus. (s. Bilder)

Letzter Tipp in Sachen Lebenshilfe: Nicht jede Idee, die man für gut hält, muss gleich ausposaunt werden. Zuerst zuhören ist oft besser, denn warum heißt der Meister wohl Meister?


Donnerstag, 15.09.11

Die Begeisterung lässt nach. Morgens sind schon vier Schüler zu spät. Ein schlechtes Zeichen? Das Programm heute stellt hohe Anforderungen. Es gibt Rückmeldung. Wie habe ich in der Potentialanalyse abgeschnitten? Wie sieht mein Ergebnis aus dem Praxistest vom ersten Tag aus? Wie wird mein Arbeitsverhalten in den ersten vier Tagen beurteilt? Die Botschaften sind nicht durchweg angenehm. Vor allem die Meister reden Klartext und weisen auch auf Defizite hin. Sie machen deutlich, dass in der Arbeitswelt mehr Konzentration auf die Arbeit, eine größere Genauigkeit und vor allem Durchhaltevermögen gefordert wird.

Ein großes Thema in beiden Gruppen ist das Verhältnis zwischen Praktikanten und Ausbilder. "Wenn der Meister sitzt und Pause macht, darf ich doch auch Pause machen." " Warum muss ich mein Handy ausschalten, wenn der Ausbilder es angeschaltet hat?" "Wenn ich meinen Arbeitsplatz aufräumen muss, warum muss es der Ausbilder nicht auch?" Und wenn man seine Meinung zu diesen und anderen Konflikten äußern will, will der Meister sie einfach nicht hören, sondern wird sofort laut. "Darf der das? Muss ich jetzt immer nur gehorchen, auch wenn ich die Anweisungen gar nicht einsehe? Nur, weil der Meister älter ist?" (oder dem Chef die Firma gehört?) Jetzt sind wir schon mittendrin in Fragen des Arbeitslebens.

Morgen ist ein neuer Tag. Abwechslung steht an. Die Maler wechseln zum GaLa, d.h. Garten- und Landschaftsbau, und die Maurer lernen den Bereich Metall kennen. Darauf freuen sich alle, obwohl jetzt schon mehr Skepsis mitschwingt: Wird das auch so anstrengend?

Vielleicht spürt man nach zwei Wochen schon, wie man sich durch Routine an Anstrengung gewöhnt und die Arbeit leichter wird.

Übrigens: Die Potentialanalyse hat gezeigt, dass alle Jugendlichen im Wesentlichen sich so einschätzen, wie es ihrer Altersgruppe entspricht. Die praktische Prüfung vom ersten Tag, also die Fremdeinschätzung, hat sogar ergeben, dass sich viele Schüler schon stark für die praktische Arbeit interessieren und erstaunliche fachliche und soziale Fähigkeiten besitzen. So konnte Herr Koop öfter sagen: "Also dich würden wir sofort einstellen, wenn wir Ausbildungsplätze hätten!"

Umgekehrt äußerten die Schüler sich positiv über die ganze Veranstaltung, hatten Lob für das Essen und nur drei Verbesserungswünsche (weniger Aufräumen, Getränke beim Essen, freitags nicht bis 16Uhr arbeiten).

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