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„Der Besuch einer Dichterin“ (Marion Poschmann) - Die Heinrich-Heine-Gesamtschule und der Düsseldorfer Literaturpreis

Jedes Jahr wird in Düsseldorf der inzwischen hochdotierte Literaturpreis (20.000 €) durch die Kunst-und Kulturstiftung der Stadtsparkasse nach Maßgabe einer siebenköpfigen Literaturkritiker-Jury vergeben:
Immer im Frühsommer bei einem feierlichen Akt unter Teilnahme von Stadtsparkassenkunden , verschiedenen SSK-Honoratioren und Würdenträgern der Stadt, unter anderem auch dem Oberbürgermeister.
Zum sechzehnten Mal fand die Preisvergabe dieses Jahr am 08. Juni 2017 in der Stadtsparkasse an der Berliner Allee statt.
Die diesjährige preisgekrönte Schriftstellerin ist die in Essen geborene Marion Poschmann (48), die für ihren Gedichtband „Geliehene Landschaften“ als vierte Frau seit Bestehen des Düsseldorfer Literaturpreises (2002) ausgezeichnet wurde.
Die Preisübergabe ist nicht nur ein kulturelles Stadtereignis, das durch seine literarische, musikalische und kulinarische Hochwertigkeit besticht, sondern auch ein Event, an dem unsere Gesamtschule seit dem Jahr 2003 tragend beteiligt ist.
Zur exklusiven Preisverleihung werden wir nämlich mit der Schulleitung, den Deutschlehrern und ca. 20 Oberstufenschülerinnen und -schülern regelmäßig eingeladen.
Hin und wieder ist sie auch eine Gelegenheit, ein erstes Gespräch mit der oder dem jeweiligen Preisgekrönten zu führen.
Eine Fortsetzung des feierlichen Abends gibt es dann am Folgetag an unserer Schule. Die Schriftsteller motivieren mit einer fast zweistündigen Lesung und einer Diskussion mit unseren Schülerinnen und Schülern zum `Weiterlesen`` nicht nur ihrer Bücher, sondern auch zum Lesen anderer literarischer Werke .
Ein Anliegen, das unsere Schule schon seit 2003 mit großem Engagement unterstützt! Diesem wichtigen Erziehungs- und Bildungsauftrag wird durch den Besuch der jährlich preisgekrönten Dichter/-in zweifellos eine nicht zu unterschätzende Attraktivität verliehen.
Die Schulveranstaltungen waren bisher immer ein Erfolg , denn die Schriftsteller/-innen nehmen ihre Lesung vor den 150- 200 Oberstufenschülern in der Regel sehr ernst, zumal der heutigen Jugend der schlechte Ruf vorauseilt, internetfixiert und Emoji-getrimmt, jedes zeitaufwändige Lesen umfangreicher Texte eher zu meiden.
Zugegebenermaßen war ich etwas skeptisch, ob die diesjährige Preisträgerin Marion Poschmann bei unseren Schülern mit ihrem überaus anspruchsvollen Lyrikband ein Interesse wecken könnte. Gedichte sind ja immer eine Herausforderung - für jeden Leser und für jede Leserin.
Aber Marion Poschmann ist nicht nur eine Lyrikern, die durch ihre Vortragsart ihre Zuhörerschaft verzaubert, indem sie ihre Worte in atmosphärische Klangkörper zu verwandeln weiß, sondern sie erwies sich bei uns auch als versierte Didaktin ihrer Texte.
Sie demonstrierte bei ihrer Lesung an unserer Schule nämlich eine außerordentliche Fähigkeit, konkret anschaulich zu erklären und feinsinnig zu erzählen: zum Beispiel, wie die erste visuelle Wahrnehmung eines - eventuell noch so kleinen - Gegenstandes ihre persönlichen Gefühle und Erfahrungen berührt und sie diesen dann behutsam in eine abstrakte Gestalt, in Worte und letztendlich in eine Gedichtform überführt.
Durch diese „Geschichten“ zu ihren Gedichten fiel es unseren Schülerinnen und Schülern auch nicht schwer, ins Gespräch mit der Autorin zu kommen. Ein Schüler fragte sie deswegen ganz umstandslos, woher ihre Vorliebe zu Japan komme. Einen großen Raum ihres Lyrikbandes nehmen nämlich Gedichte zu japanischen Landschaftsgärten ein.
Für eine Überraschung sorgte Frau Poschmann bei den Schülerinnen und Schülern, als sie einen kurzen Auszug aus ihrem Roman „Sonnenposition“ las, in dem sie mit ihrem Fallbeispiel „Kreide fressen“ unmittelbar Bezug zur Schülerwirklichkeit nimmt. Psychologisch akribisch genau zeichnet sie dort das Verhaltensprofil von Schülern, die in einer Lehrerin eine Schwäche entdecken und deshalb fast irrational aggressiv ihren Unterricht torpedieren. Ein Schüler kommentierte diesen Teil der Lesung mit: „Sie haben ein instinktives Verhalten von uns erkannt“.
Die Autorin schloss die Lesung mit einem Text aus ihrem Essayband „Mondbetrachtung bei mondloser Nacht“. Der autobiographische Text über einen Arbeitsstipendiumsaufenthalt in einem winzig kleinen, entlegenen Ort namens Schreyahn, 30 km von Gorleben entfernt, vermittelte den Schülerinnen und Schülern einen nicht wegzudenkenden Teil ihres Schriftstellerlebens. Zumal dieses Dorf exemplarisch ist für fast alle ihrer Arbeitsstipendien. Abseits von normalem Alltagsleben und unwirtlich - oft an Atomkraftwerken oder an Atommüllhalden gelegen - nennt ihr Vater einen solchen Aufenthaltsort deswegen „Schriftstellerknast“, ein Schlüsselbegriff ihres Textes, der von ihr als Dichterin aber nicht derart negativ erfahren wird. Im Gegenteil: ein solcher „äußerer Raum öffne für sie optimal ihren inneren, aus dem sie dann kreativ schöpfe“.
Ein Schüler kam in diesem Zusammenhang nicht umhin wissen zu wollen, ob es nicht sehr viel Mut gekostet hätte, sich für den Schriftstellerberuf zu entscheiden. Schließlich sei er doch mit einem hohen existenziellen Risiko verbunden, „außer man setzt sich mit einem Bestseller durch“. Obwohl sie ihm Recht gab, betonte Marion Poschmann, dass dieser Weg für sie eine Berufung gewesen sei, für den sie sich schon zu Studienzeiten entschieden habe, ohne „wenn und aber“. Dass ihre Ent-scheidung die richtige war, bezeugen nicht nur ihre insgesamt 27 schon erhaltenen Preisgelder und Arbeitsstipendien für ihre 16 Werke, sondern auch der langanhaltende herzliche Applaus unserer Schülerinnen und Schüler am Ende der Lesung.
(Ute Winkels)

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